Die Weiterentwicklung des HTML-Standards stockte in den letzten Jahren ziemlich: Außer der etwas unglücklichen Reformulierung von HTML in XML passierte recht wenig – die interessanten Sachen fanden fast ausschließlich in der JavaScript-Gemeinde statt, die immer bessere Frameworks entwickelte (u.a. um Anwendungen zu entwickeln, die sich nach nativer Desktop-Applikation anfühlen). Auf der anderen Seite bauten die Browserhersteller neue Funktionen ein, die – von anderen übernommen – sich dann mehr oder weniger durchsetzten.
Mit HTML5 und der Unterstützung dieses Standards durch moderne Browser (v.a. auch in Mobilgeräten) ist es interessant, sich mal mit HTML eingehender zu beschäftigen. Ich hatte die Gelegenheit HTML5 – Up And Running von Mark Pilgrim (O’Reilly) als Reviewexemplar (ebook) zu bekommen – eine gute Möglichkeit, mich in die neuen Technologien einzulesen.
Das Buch startet mit einem kurzen Abriss, wie sich der HTML-Standard bis hin zu HTML5 entwickelte und welche Umwege und Irrwege dabei eingeschlagen wurden (schönes Zitat: “The ones that win are the ones that ship”). Im anschließenden Kapitel beschreibt der Autor in aller Kürze, welche neuen Features Bestandteil von HTML5 sind und wie man feststellen kann, ob ein Browser ein bestimmtes Feature unterstützt. Neben dem komfortablen Weg über die Modernizr JavaScript Library, wird auch immer noch gezeigt, wie man “zu Fuß” bestimmen kann, ob ein Feature unterstützt wird oder nicht. In Kapitel 3 dreht sich alles darum, wie sich das MarkUp mit HTML5 ändert: Am Beispiel einer Webseite wird gezeigt, wie sich der Aufbau mit HTML5 verändert bzw. vereinfacht. Sehr gut hat mir dabei gefallen, dass es auch einen kleinen Exkurs gibt, wie Browser unbekannte Elemente behandeln (natürlich machen das dies einzelnen Browser auf unterschiedliche Weise!). Die folgenden Kapitel gehen auf die “spektakulären” neuen Elemente von HTML5 ein. Das Canvas-Element ermöglicht es, im Browser-Fenster eine Zeichenfläche zu definieren. Ebenso gibt es HTML5 endlich eine standardisierte Form der Einbettung von Videos in Webpages (auch hier gibt es wieder einen sehr lesenswerter Exkurs zu den verschiedenen Videoformaten, in welchen Browsern sie unterstützt werden und wie man sie erzeugt). Nicht zuletzt durch die rasante Verbreitung von Smartphones mit GPS-Empfängern hat die Geolocation-API an Bedeutung gewonnen – damit ist es möglich, Websites zu entwickeln, die den Standort eines Nutzers auswerten um Informationen ortsspezifisch anzupassen (z.B. welche indischen Restaurants befinden sich in meiner Nähe). Ein weiterer, wichtiger Bestandteil von HTML5 ist lokale Speichern von Informationen (Web Storage) im Browser. Im Gegensatz zu Cookies lassen sich damit auch größere Datenmengen im Browser speichern. Eng damit zusammen hängt die Möglichkeit der Entwicklung von Webapplikationen, die auch ohne aktive Internetverbindung funktionieren. Dies hört sich zwar zunächst nach einem Widerspruch an, macht aber in der Praxis durchaus Sinn, z.B. für den Zugriff auf das Webmail-Konto, wenn man keine Netzanbindung hat. Den Erweiterungen von HTML5 bezüglich Formulare ist ein eigenes Kapitel gewidmet, da sich hinsichtlich der <input> types sehr viel getan hat. Zum Schluss der vertiefenden Kapitel geht der Autor noch auf die Unterstützung von Microformaten ein. HTML5 bietet hier eine standardisierte Möglichkeit zur semantischen Auszeichnung von Personen, Organisationen, Veranstaltungen, Zusammenfassungen oder auch Bewertungen, die von Suchmaschinen oder anderen Anwendungen ausgewertet werden können. Das Buch wird abgeschlossen, durch eine Liste aller neuen MarkUp-Elemente und wie man diese erkennen kann.
Insgesamt hat mir das Buch sehr gut gefallen. Die Ansprache an den Leser ist gelungen – der Text ist nicht zu trocken. Wie schon erwähnt gibt es immer mal wieder Exkurse, die die Materie etwas auflockern und Hintergrundwissen vermitteln. Die Unterstützung der vorgestellten HTML5-Features durch die großen Browser ist jeweils in einer kleinen Tabelle angegeben und darüberhinaus wird auch auf mögliche Workarounds eingegangen. Zusätzlich ist das Buch gespickt mit Links zu Online-Quellen: Dies fand ich ok, da ich die epub-Version gelesen habe. Leser der toter-Baum-Version werden davon wohl weniger profitieren. Das gebotene Schwierigkeitsniveau fand ich perfekt, für HTML- und Javascript-Anfänger ist der Text vermutlich zu schwierig. Die Google-Brille des Autors kommt nur an wenigen Stellen durch, der Text ist relativ neutral.
Die gedruckte (oder besser die von O’Reilly verlegte) Ausgabe basiert auf der Website Dive into HTML5.


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