Als ich von dem Buch Search Patterns aus dem O’Reilly Verlag gelesen hatte, war ich zunächst recht begeistert – “a practical guide to to help us make search better today” ist genau das, was ich zur Zeit benötige, da wir uns am ZPID mit der Verbesserung unserer Suchoberflächen für PSYNDEX herumschlagen. Die Aufmachung des Buches ist dann auch sehr gelungen, es enthält viele Diagramme (die im übrigen unter einer CC 2.0 Lizenz stehen) und sehr viele Beispiele für nach Meinung der Autoren gut zu bedienende Oberflächen.
Das Buch besteht aus 6 Kapiteln. Im ersten Kapitel – Pattern Recognition – wird definiert, was Suchen bedeutet. Es wird dargestellt, wieviele verschiedene Kontexte es gibt, in denen gesucht werden kann, z.B. Suche nach Produkten, nach Musik, nach Personen, Real time Suchen in Microblogging-Diensten etc. Das zweite Kapitel – Anatomy of Search – beschreibt die verschiedenen “Elemente” in einer Suche. Dies sind die User, mit ihren Anforderungen und Vorbildungen, das Interface, die Engine, d.h. die Maschine, die unter eine Suchoberfläche liegt, der Content (z.B. wissenschaftliche Artikel oder Autoteile) und die Creators, das heißt die Personen, Organisationen, die den Content für die Suchmaschine erzeugen. Die einzelnen Elemente werden dann im Kontext betrachtet, z.B. an der Informationsarchitektur von Amazon. Im dritten Kapitel – Behavior – werden sechs verschiedene Suchverhaltensmuster von Nutzern dargestellt, dies sind Quit, Narrow, Expand, Pearl Growing, Pogosticking und Trashing, wobei die letzten beiden Patterns Verhaltensweisen darstellen, die eigentlich Symptome für fehlerhafte Suchoberflächen darstellen. Design Patterns für Suchoberflächen stehen in Kapitel vier im Vordergrund, dies sind Autocomplete, Best First, Federated Search, Faceted Navigation, Advanced Search, Personalization, Pagination, Structured Results, Actionable Results und Unified Discovery. Diese werden anhand vieler Beispiele illustriert. Kapitel fünf enthält dann weitere Beispiele für Suchoberflächen/-funktionen, die von ihrem Inhalt, ihrer Gestaltung oder auch Zielgruppe etwas anders sind, als Google oder Bing und Konsorten. Das Schlußkapitel geht kurz darauf ein, wie man ein “Suchproblem” in einem Projekt angehen kann und es werden einige zukünftige Suchszenarien genauer ausgeführt.
Das (nicht allzu dicke Buch) lässt sich gut lesen, ich war an einem Nachmittag durch. Nach der Lektüre war ich allerdings etwas ernüchtert, da ich nicht sehr viel Neues gelernt habe. Die Suchverhaltensmuster sind für jeden, der sich ein wenig mit Suche beschäftigt hat, offensichtlich, wobei eine solch komprimierte Darstellung natürlich nützlich sein kann. Die Design Patterns kommen mir ein bisschen vor wie ein Bauchladen – manche Patterns, wie z.B. Federated Search, scheinen mir nicht dort reinzupassen. Darüber hinaus fehlt mir die empirische Unterfütterung (wann passt ein bestimmtes Pattern und warum?). Positiv aufgefallen sind mir die vielen Beispiele und die Berücksichtigung mobiler Suchinterfaces, die eine immer größere Rolle spielen.
Wer kann nun von diesem Buch profitieren? Am ehesten Personen, die sich bisher noch nicht intensiv mit “Suche” beschäftigt haben und dieses Thema in ihrer Organisation/Firma vorantreiben möchten. Desweiteren sind die vielen Beispiele und auch die oben erwähnten Zusatzmaterialien (siehe http://searchpatterns.org) für eigene Präsentation sicherlich hilfreich. Für all diejenigen, die sich bereits intensiver mit Suchoberflächen auseinandergesetzt haben, bringt das Buch wie bereits erwähnt wenig Überraschendes.






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