Moodle KuhBedingt durch eine Dienstreise den größten Teil der letzten Woche ist es doch tatsächlich Sonntag geworden, bis ich zu meinem Blog-Post zum dritten Meilenstein komme. Meine selbst gesteckten Ziele habe ich einigermaßen erreicht, wobei ich mit zunehmender Beschäftigung merke, wie komplex Moodle ist und dass ich innerhalb der SOL-Einheit nicht zum Guru werden kann :) Meine Motivation ist eigentlich immer noch sehr gut, mit der Themenwahl bin ich zufrieden. Diesen Post jetzt zu schreiben fällt mir aber doch einigermaßen schwer: Laut der Messstation des Luftmess-Netz Rheinland-Pfalz hier um die Ecke waren es um 14h 28,7°C; die gefühlte Temperatur, insbesondere mit der heißen Oberfläche meines Notebooks, liegt aber um einige Grad höher. Aber genug gejammert, zum inhaltlichen…

Installation von Moodle

Eine Voraussetzung für die folgenden Meilensteine ist das Vorhandensein eines Moodle-Testsystems, in dem ich nach Belieben rummengen kann. Die lokale Installation habe ich einer xampp-Umgebung auf meinem Rechner unter Windows XP durchgeführt. xampp ist eine Entwicklungsumgebung bestehend aus MySQL, apache, php und diversen weiteren Tools, die besonders schnell und einfach zu installieren ist. Im Gegensatz zu einer “richtigen” Installation der oben genannten Pakete geht der Konfigurationsaufwand gegen 0, da es ausreicht, die Dateien auf die Platte zu kopieren. Xampp ist nun schon seit längerem auch an der Uni unter Linux meine Entwicklungsumgebung der Wahl, da man sehr schnell eine Umgebung aufsetzen kann, ohne gleich den ganzen Rechner zu “verhunzen”. Die Installation von Moodle 1.6 unter xampp war dann auch kinderleicht: Die Konfiguration und das Anlegen der Datenbanktabellen läuft über php-Skripte im Browser, ohne dass ein manuelles Editieren von Konfigurationsfiles oder Einspielen von SQL-Statements in MySQL notwendig wäre. Gestern habe ich sogar noch das Upgrade auf Version 1.6.1 vorgenommen – auch problemlos.
Desweiteren gibt es jetzt auch unter http://lms.mikrosklave.net/ ein Spiel-Moodle im Web (installiert per OneClick-Installation unter meinem Lycos-Account). Auch hier war die Installation sehr unproblematisch, allerdings steht nur die Version 1.5.3 zur Verfügung. Eine manuelle Installation der aktuellen Version (wie bei meiner WordPress-Instanz) scheitert wahrscheinlich an den System-Voraussetzungen: Lycos bietet momentan nur MySQL in der Version 4.0.18 an, für Moodle 1.6 wird aber mindestens 4.1.12 benötigt. Die Unterschiede zwischen 1.5 und 1.6 sind allerdings nicht so riesig. Wer also einen Account für Moodle zum Testen benötigt, ist herzlich eingeladen!

Moodle kennenlernen

Ein Alleinstellungsmerkmal von Moodle ist das Design nach einem didaktischen Konzept. Viele Lernplattformen bilden im Prinzip nur die Präsenzlehre in Software nach; Moodle – das zwar auch in dieser Weise genutzt werden kann – setzt dagegen auf aktives und entdeckendes Lernen (in der Gruppe). Der Ansatz, dem beim Design gefolgt wurde, heißt social constructionist pedagogy. Danach funktioniert Lernen (oder besser die Konstruktion von Wissen) besonders gut in einer Umgebung, die den Austausch zwischen den Lernern fördert. Moodle-Lerner können also auch gleichzeitig Lehrer für andere Teilnehmer sein. Das System stellt den Lerner und seine Bedürfnisse in den Mittelpunkt und weniger das klassische Kurscurriculum.

Den Vergleich von Moodle mit anderen LMS kann ich an dieser Stelle nur theoretisch machen aufgrund von verschieden Artikeln/Blogeinträgen, die ich gelesen habe (unter http://del.icio.us/pweiland/moodle/ sammle ich meine Moodle-Links). Was die verfügbaren Tools zur Kursgestaltung und Kommunikation betrifft, geben sich die gängigen Plattformen untereinander nicht viel. Einen schnellen Produktvergleich kann man z.B. mithilfe des Vergleichstools unter http://www.edutools.info/item_list.jsp?pj=8 durchführen. Die Features von Moodle sind sehr detailliert unter http://docs.moodle.org/en/Features (bezieht sich noch auf die Version 1.5) und in den Release Notes für 1.6 beschrieben.

Was manch andere (kommerzielle) Plattform sicher besser kann, ist die Abbildung einer Organisation mit ihren verschiedenen Abteilungen und unterschiedlichen Bedürfnissen für die Verwaltung von Lernern. Dies trifft auch für eine universitätsweite Einführung zu. Insbesondere die Rechte-Verwaltung scheint mir bei Moodle für diesen Zweck (noch) nicht optimal. Auch ist die Integration mit Fremdsystemen noch in den Anfängen, wobei die Roadmap hier schon einiges verspricht.

Auf der “Haben”-Seite von Moodle ist der lernerzentrierte Ansatz zu sehen, der mit einer einfachen Bedienbarkeit sowohl im Front- als auch im Backend einhergeht. Desweiteren ist die Installation wirklich simpel – dies konnte ich ja selbst ausprobieren. Ein weiteres Plus scheint mir die gute Dokumentation in Wiki-Form zu sein und die aktive Community. Die Foren sind eine schier unerschöpfliche Informationsquelle mit einem sehr angenehmen Umgangston. Desweiteren gibt es mittlerweise schon sehr viele Fremd-PlugIns, z.B. für Teilnehmerakkreditierung. Hier zeigt sich sehr deutlich der Vorteil von open source Software. Im übernächsten Meilenstein möchte ich mir ja anschauen, wie schwer oder einfach die Entwicklung eigener PlugIns ist.

Die Roadmap für die weitere Entwicklung von Moodle beinhaltet einige sehr interessante Features: Für die für August geplante Version 1.7 ist eine weitergehende Datenbankunabhängigkeit geplant, was aus meiner Sicht besonders für Firmen oder Organisationen interessant ist, die aus welchen Gründen auch immer kein MySQL einsetzen wollen oder können. Für die Administration von MySQL benötigt man zwar keinen DBA, dennoch ist es eine weitere Applikation, die supported werden muss. Darüber hinaus wird die Barrierefreiheit von Moodle verbessert; dies ist ein wunder Punkt für sehr viele Learning Management Systeme (ausser dem kanadischen ATutor, das direkt auf Konformität mit den W3C WCAG 1.0 accessibility specifications entwickelt wurde). Desweiteren gibt es ein verbessertes Gradebook (auch in Moodle kann man Noten vergeben :) und ein verbessertes Rollenmodell, um den Zugriff auf bestimmte Funktionen sehr viel feiner zu steuern – aus meiner Erfahrung mit CLIX weiß ich, das gerade die Definition der Zugriffsberechtigungen eine Menge Hirnschmalz beim Customising erfordert. Hier darf man gespannt sein, wie sich das Rollenmodell auf die Administrierbarkeit auswirkt. Für 1.7 ist auch geplant, die gleichzeitige Einbindung mehrerer Quellen für die Authentifizierung von Nutzern zu ermöglichen.

Für Anfang 2007 ist dann Version 2.0 geplant, die u.a. eine Vernetzung verschiedener Moodle-Instanzen ermöglichen soll, desweiteren conditional activites, i.e. bedingte Lernpfade, und eine Unterstützung für das IMS Learning Design Format, mit dem der Austausch von Kursen zwischen unterschiedlichen LMS möglich sein soll (die Spezifikation beschreibt ein XML-Format zur Beschreibung von Kursen). Letzteres scheint noch nicht sehr verbreitet zu sein in der LMS-Szene, Moodle übernimmt hier wohl eine Vorreiterrolle. Als weitere Entwicklungspakete stehen diverse APIs an, mit denen der Zugriff auf Moodle-Daten von aussen ermöglicht werden soll.

Mein Fazit zum dritten Meilenstein

Wie oben schon erwähnt, habe ich meine selbstgesteckten Ziele weitgehend erreicht. Gut meßbar sind ja eigentlich nur die Aktivitäten, die mit einem konkreten doing einhergehen; das Einlesen bedeutete hier viel Herumbrowsen in der Moodle-Dokumentation und dem Recherchieren nach anderen Artikeln zu Moodle. Somit ist es sehr schwer zu sagen, wann man denn “fertig” ist. Meine Zeiteinteilung war für diesen Meilenstein nicht optimal, da ich an diesem Wochenende noch sehr viel tun musste (das kann ich allerdings auch etwas auf meine Abwesenheit letzte Woche schieben – wobei ich es natürlich vorher hätte berücksichtigen müssen). Nichtsdestotrotz werde ich auch weiterhin eher zielorientiert arbeiten als einem festen Arbeitsrythmus (z.B. jeden Mittwoch von 20-22h) zu folgen. Dies liegt mir mehr.

 

2 Responses to Selbst organisiertes Lernen – 3. Meilenstein

  1. Barbara says:

    Hallo Peter,
    ich würde Dein Angebot gerne annehmen und mittesten. Wir sind noch auf der alten Version & ich möchte gerne 1.6 kennenlernen! Außerdem ist das so weniger einsam oder?
    LG
    Barbara

  2. Nadine says:

    Hallo Peter,

    was genau meinst Du denn mit zielorientiert statt fester Arbeitsrhythmus? Meinst Du damit, nicht nach einer vorgegebenen Zeit aufzuhören, solange das gesetzte Ziel noch nicht erreicht ist?

    Nachdem Du diese Unterscheidung vornimmst, überlege ich gerade, ob ich eher “zielorientiert” bin oder “zeitorientiert”…. Oft gibt es einfach feste zeitliche Rahmen, an denen man sich orientieren muss… Aber dieses Gefühl, nicht eher den Computer ausschalten zu können, bis diese eine Sache noch nicht erledingt ist, kenne ich andererseits auch!

    Liebe Grüße
    Nadine

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *

*

You may use these HTML tags and attributes: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>